Stählerne AnnaKlettersteig steirischen Dachstein

Für den moderaten Klettersteigfan ist die "Anna" mit einigen C/D-Stellen ein stattliches Programm

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Klettersteig "Anna" im steirischen Dachstein

Mit der „Anna" ist das eisenhältige Trio am steirischen Dachstein jetzt komplett: 1.200 Meter Höhendifferenz lassen sich jetzt zur längsten Super-Ferrata der Alpen zusammenschließen.

Die Kletter(-steig)arena Dachstein Süd hat ein weiteres Highlight für Klettersteigfans und „Multi-Ferra-tisti" zu bieten: Anfang Juli wurde der Klettersteig „Anna" eröffnet, welcher in mittlerer, aber doch anspruchsvoller Schwierigkeit 300 Höhenmeter auf den Mitterstein - nicht zu verwechseln mit dem Mitterspitz - führt. Die Felswände des Mittersteins befinden sich vorgelagert unter der Südwand der Dachsteinwarte, durch welche der berühmte „Johann"-Klettersteig führt. Vom Ausstieg des „Anna" sind es nur mehr rund 25 Minuten zum Einstieg des „Johann" .wo-durch sich dem konditionsstarken „Profi-Klettersteigler" eine Verbindung beider Klettersteige nahezu aufdrängt.
Nicht nur das - vom Ausstieg des „Johann" bei der Seethalerhütte sind es nur ein paar Minuten zum Einstieg des gesicherten „Schulteranstieges", über welchen man den Dachstein-Gipfel er-reicht. Die Verbindung aller drei Kletter-steige mutiert damit zur Dachstein-Super-Ferrata: Mit 1.200 m Höhendifferenz und ist das in Höhenmetern die derzeit wohl längste Klettersteigtour der Alpen!
Die „Anna" war ursprünglich als „Zustiegs-Klettersteig" für den „Johann" gedacht. Für den moderaten Klettersteigfan ist sie aber bereits ein stattliches Programm für sich und nicht zu unterschätzen, da einige C/D-Stellen und ziemlich konstante Schwierigkeiten Krafteinsatz und Konzentration verlangen. Beendet man die Tour nach dem Mitterstein, so verlangt der Abstieg über den Zustiegs-Steig des „Johann" zurück zur Südwandhütte nochmals Aufmerk-samkeit und Trittsicherheit. Die ur-sprünglichen leichten Kletterpassagen sind neuerdings aber gesichert (A/B).
Wer die „SuperFerrata" bis zum Dachstein-Gipfel ins Auge fasst, dem sei die gemütliche und bestens geführte Dachstein-Südwandhütte als idealer Stützpunkt zur Nächtigung ans Herz gelegt: Der engagierte und nette Hütten-wirt Andreas Perner kennt fast alle An-stiege im Bereich der Südwände und hat für Klettersteig-Aspiranten immer auch den einen oder anderen wertvollen Tipp parat!
Bei unseren Recherchen und der Begehung der „Anna" ein paar Tage vor der offiziellen Eröffnung trafen wir den Ramsauer Bergführer Hans Prugger, welcher im Bereich des Ausstiegsgrates noch mit den letzten Bauarbeiten am neuen Klettersteig beschäftigt war. Hans hat im Auftrag des Tourismusverbandes Ramsau die „Anna" nicht nur alleine geplant, sondern auch ganz alleine gebaut! Eine weitere Meisterleistung des "Klettersteigbau-Königs" der Arena Dachstein Süd, welcher bereits durch den Bau der Top-Klettersteige wie z.B. „Johann", „Irg", „Skywalk" und „Hiss" auf sich aufmerksam gemacht hat. Der Bau eines Klettersteiges ist nicht nur Schwerarbeit(wenn auch eine gut bezahlte), sondern setzt auch viel Erfahrung, Ortskundigkeit, Materialkenntnis und Geländegefühl voraus. Für die „Anna" wurden insgesamt fast 500 Meter an Stahlseil, sowie 155 Anker- und 167 Trittbolzen verbaut. Hans Prugger erzählte uns bei unserem Treffen auch ein paar interessante Details über den Klettersteigbau und deren Planung: „Für Klettersteige gibt es keine Baunorm, sondern nur Empfehlungen. Nachdem ich alle neuen Klettersteige an der Südseite des Dachsteingebietes (der „Johann" war 1999 der erste) geplant und gebaut habe, hat sich Folgendes bewährt: das Stahlseil sollte einen Durchmesser von mindestens 16 mm aufweisen - für ganz steile und schwierige Steige sogar 19 mm stark sein (z.B. Johann, Irg u. Skywalk). Der Abstand der Ankerbolzen im steilen Fels sollte höchstens 2-3 m betragen. Je leichter und flacher das Gelände, desto größer können die Abstände der Anker sein. Tritt-bolzen werden dort verwendet, wo man mit normalen Bergschuhen nicht mehr steigen kann, sodass ein gefahrloses Umhängen der Karabiner möglich ist. Die massive Bauweise mit 30 mm Torstahl hat sich in hochalpinen Regionen mit viel Schneedruck und Zug im Winter bestens bewährt. Diese stammt übrigens vom legendären Alt-Hüttenwirt und Dachsteinkenner Toni Rosifka. bergtouren tirol Alle Klettersteige in der Region Ramsau am Dachstein wurden nach diesem Schema von mir gebaut und werden jedes Frühjahr kontrolliert und gewartet."
Hans bietet unter anderem auch Führungen für alle Klettersteige der Re-gion an. Ein besonderes Zuckerl für As-piranten, die sich einem ortskundigen Bergführer anvertrauen und dabei mit dem Erbauerkönig höchst persönlich un-terwegs sein wollen.
Der historische Background bei der Namensgebung von Klettersteigen an der Südseite des Dachstein hat ja schon Tra-dition: Nach dem „Johann" (benannt nach Erzherzog Johann von Österreich, welcher anno 1810 erstmals das Dach-steinmassiv überquerte) und dem „Irg" (Georg („Irg") Steiner war einer der Erst-begeher des berühmten „Steinerweges" durch die Dachstein Südwand) jetzt also die „Anna".
Anna Plochl, die Postmeistertochter aus Bad Aussee, war zu Zeiten Kaiser Franz I. (um 1820) die Geliebte von Erz-herzog Johann, womit das Liebespaar fast 200 Jahre danach wieder verbunden ist - in Form von zwei sehr schönen Eisenwegen!
Routen/Steigverlauf siehe Topo Abstieg/Weiterweg
Zurück zur Südwandhütte: Rechts den Zustiegs-Steig zum "Johann" absteigen (rote Punktmarkierung; tw. leichte Kletterei über Platten mit einigen Seilsicherungen, A/B;) und zurück zur Südwandhütte (insgesamt 45 Min.) Zum Johann: Vom Sattel links weiter dem Steig folgen Richtung Dachstein-Südwand zu Steinmann, am Beginn der kurzen Vorbaustufen (ev. unter Schnee), über die erreicht man (tw. gesichert, 81 den Einstieg zum Klettersteig „Johann". Johann-Seethalerhütte: Über den Johann (C bis D, Einstiegsüberhang E; 550 Hm / 3-4 Std.) gelangt man zur Seethalerhütte bei der Dachsteinwarte, 2740 m). Seethalerhütte-Hunerkogel: Von hier in südöstlicher Richtung über den obersten Hallstätter-Gletscher (ausgetretener Gletscherweg) kurz bergab, dann leicht ansteigend zur Berg-station der Dachstein-Gletscherbahn (Hunerkogel; letzte Talfahrt um 17.10 Uhr). Hunerkogel-Talstation: Verpasst man die letzte Talfahrt, kann man über den "Hunerscharten-Klettersteig" (im oberen Teil gesichert, A/B bis B; Beginn in der Hunerscharte östlich unterhalb der Bergstation; kurzer, gesicherter Abstieg direkt von der Bergstation oder über den oberen Schladminger-Gletscher) absteigen zur Dachstein-Südwandhütte und weiter zur Talstation (insges.1000 Hm / 2 Std.).
Bergführer-Kontakt
Hans Prugger, Tel.: 0664-1137631
E-mail: info@birgbichler.at, www.birgbichler.at